Beratungsansatz

Das Jugendhilfe-Team verfolgt einen kontext- und ressourcenorientierten systemischen Beratungsansatz, nach dem sowohl mit Einzelnen als auch mit Familien gearbeitet wird und bei dem die Person als Einheit von Körper und Seele verstanden wird (ganzheitlicher Ansatz).
Nach unserer Auffassung soll erzieherische Hilfe den/die Adressaten/Adressatinnen befähigen, eigenverantwortlich und „selbstbewusst“ im systemischen Sinne (d.h. im Bewusstsein eigener Fähigkeiten und Geschichte) am „Markt der gesellschaftlichen Möglichkeiten“ (Schule, Arbeit, Freizeit) teilzunehmen und seine/ihre individuellen Fähigkeiten adäquat einzubringen. Die Erarbeitung und Entwicklung eines Gleichgewichts zwischen persönlichen Fähigkeiten und den Anforderungen der Umwelt steht dabei im Vordergrund und soll in möglichst effizienter Weise dazu führen, unabhängig von professioneller Hilfe zu werden.

Somit verstehen wir Jugendhilfe als Entwicklungshilfe, die sich fort von der Defizitorientierung hin auf eine Ressourcenorientierung bewegt und Kinder und Jugendliche mit ihrer oft nicht bewussten Verwurzelung in Familiensystem und sozialem Umfeld wahrnimmt.

Hierzu gehört auch der konstruktive Umgang mit verschiedenen Herkunftsgeschichten/Identitäten (Herkunftsfamilie - Pflegefamilie - Heimerziehung). Für Mädchen und Jungen in Fremderziehung bzw. Pflegefamilien bieten wir eine entwicklungsorientierte Auseinandersetzung mit ihren Fremdidentitäten an. Wir erforschen mit ihnen ihre biologische Herkunft sowie ihre Wurzeln zur Stärkung ihrer „Gesamt-Identität“ (Genogramm-Arbeit).

Persönliche Entwicklung begleiten wir durch „persönliche Sozialarbeit“, d.h. der Berater übernimmt persönliche Mitverantwortung und ist sowohl Person, die sich mit allen in der eigenen Biographie erworbenen Anteilen authentisch in die Arbeit einbringt, als auch Fachfrau/Fachmann für „Entwicklungshilfe“.

Entwicklungsverantwortung und Entwicklungstempo werden in der Familie belassen, ebenso wie die Entscheidung, das Beratungsangebot nicht oder nicht weiter anzunehmen.

Ausgehend von der Situation und Aufnahmebereitschaft der Beteiligten wird jeweils Beratung mit lebensweltorientiertem und/oder familiensystemisch ausgerichtetem Fokus flexibel angeboten. Somit stehen Gegenwart und Lebensplanung in ständigem Austausch mit Vergangenheit/Geschichte. Dabei werden in der Praxis diese Beratungselemente unter regelmäßiger Reflexion des Entwicklungsprozesses (Hilfeplanung) miteinander verwoben, so dass für den Adressaten ein prozesshaftes Ganzes entsteht. Das führt zu komplexerer, ganzheitlicher Wahrnehmung und zum Verständnis einer Familie mit ihren über Generationen erworbenen Strukturen und lässt offene und verdeckte Entwicklungsressourcen erkennen. Sortierung und Nutzbarmachung dieser Strukturen tragen dazu bei, auch „verlorengegangene“ Personen des Familiensystems in ihrer Individualität und Bedeutung für Entwicklungspotentiale der Familie/des Einzelnen wieder zu entdecken. Geschichte wird verfügbar gemacht und damit auch Identität und „Selbstbewusstsein“.

Durch die Klärung der Familiensituation im oben beschriebenen Sinn werden Kinder und Jugendliche in der Regel entlastet. Sie erhalten die Möglichkeit, Distanz zu ihrer bisherigen Rolle, z.B. den Eltern gegenüber „Verantwortung“ übernehmen zu müssen, zu gewinnen. Sie werden in ihrem Kind-Sein gestützt. Ihnen und ihren Eltern werden Wege aufgezeigt, eigene Bedürfnisse zu erkennen, für sich zu sorgen und miteinander die für diese Familie passenden Spielräume zu verhandeln.
Alle Familienmitglieder werden in ihren Kompetenzen zum wertschätzenden, förderlichen und konfliktfähigen Umgang miteinander sowohl gefordert als auch gefördert.
Dabei ist der Schutz von Mädchen und Jungen vor Überschreitung ihrer persönlichen Grenzen immer oberstes Ziel.

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